Es gab sie ja schon immer... Spieler die beim SC Freiburg unter den Fans polarisieren. Beispiele gibt es zu genüge. Aktuell Günter, früher Freis, Makiadi, Barth, Koejoe, Hermel, Slimane, Müller… Es gab sie immer und wird sie sicher auch immer geben.
Aktuell ist Karim Guédé sicher der Spieler, an dem sich die meisten die Geister scheiden. Dies weiß auch Herr Streich, hat ihn aber oft (viele sagen: Zu oft) aufgestellt. Mehrfach sogar von Beginn.
Vielen sagen: Karim Guédé ist kein Bundesligaspieler. Die Technik hierfür hat er definitiv auch nicht. Er wird sie auch nie erlernen.
Guédé ist keine 20 mehr. Inzwischen ist er sogar 30 Jahre alt. Fußballerisch bessere Spieler, wie Mike Hanke, Andreas Hinkel, Thomas Hitzlsperger und Co haben sogar um den dreh rum ihre Karrieren beendet. Auch mit dem Wissen, dass die Karriere auf Erstliga Niveau kaum noch zu halten ist. Dennoch steht der slowakische deutsch-kongolese noch bei einem Bundesligisten unter Vertrag und spielt zeitweise sogar. Übers aufhören hat er noch kein Wort verloren.
In den letzten Wochen wurde es aber ruhig um Karim Guédé. Spielte nicht und war sogar einige male nicht im Kader. Solche Phasen hatte er schon öfters.
Letzte Saison hat er z.B. vom 6. Spieltag bis zum 24. Spieltag nur 2 Starteilfeinsätze und lediglich 4 Kurzeinsätze von ein paar Minuten. 2012/2013 stand er in den letzten 10 Spielen 3x mit insgesamt 73 Minuten auf dem Platz. Als er im Winter 2012 zu uns kam, spielte er in der ersten 8 Rückrundenspiele nur 25min als Joker gegen die Bayern.
Gegen Hertha BSC am 21.Spieltag durfte er erstmals wieder seit dem 0:0 gegen Hamburg (15.Spieltag) auf den Rasen. Gegen Berlin hat Karim Guédé funktioniert. Steuerte beim 2:0 eine Torvorlage bei und hatte einen wichtigen Anteil am Sieg.
Oft genug funktioniert er aber nicht. Seine Statistiken sehen mau aus. 13 Bundesliga Spiele in der Saison 2014/2015, davon die wenigsten von Beginn, kein Tor geschossen und 2 Torvorlagen. Und dies sogar als Stürmer. Laut Kicker hat er momentan einen Notenschnitt von 4,69. Akute Versetzungsgefahr. Vor dem Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim wurde er sogar im eigenen Stadion, vor dem eigenen Fanblock von den Fans verspottet. Was zu recht für viel Aufsehen und Entrüstung sorgte. Auch innerhalb des Vereins.
Danach bekam er wieder einen Jokereinsatz gegen Leverkusen und war dann wieder raus aus der Elf.
Sein Einsatz gegen Wolfsburg kam für viele Überraschend und ich empfand ihn als legitimes Mittel um Ricardo Rodriguez, den besten Außenverteidiger der Bundesliga (KEIN SCHEIß!) zu behindern und einzuschränken. Dies hat Guédé auch ganz gut gemeistert.
Zuvor saß Karim Guédé wieder wochenlang auf der Bank, bzw. öfters sogar auf der Tribüne. Beschwert hat er sich nie. Denn er ist keiner der irgendwelche Allüren hat. Die meisten würden sagen „Da hat er auch keinen Grund dazu“ und vermutlich hätten sie Recht.
Er ist kein Spieler, bei dem erst seit ein paar Wochen oder Monaten nicht läuft, aber davor ein richtiges Brett gespielt hat und Tore am Fließband geschossen hat. Er hatte nie ein größeres Niveau. Selbst in Hamburgs Unterklassen konnte er nie überzeugen und wechselte in die Slowakei, was bekanntlich keine riesen Liga ist. Seine Leistungsdaten in der Slowakei waren zwar okay, aber es ist eben trotzdem „nur“ die Slowakei. Schon deshalb konnten seine Verpflichtung damals im Winter 2012 nur die wenigsten nachvollziehen, zumal er gar nicht auf seiner Urposition ran durfte.
Schon deshalb imponiert mir Karim Guédé sehr. Er kann passabel kicken und unter anderem beim TuS Kinzigtal , wäre er ein bomben Spieler. Doch es gibt sicher einige Regionalliga und Oberligaspieler, die größere Fußballerische Klasse als Guédé haben .
Karim Guédé hat für die Bundesliga nur 2 Argumente. Nummer 1: Sein einwandfreier, tadelloser Charakter. Argument 2: Sein Körper! Er ist NIE verletzt und hatte vermutlich in seinem ganzen Leben noch nie Durchfall, Schnupfen oder Herpes. Eine bullige Statur hat er außerdem.
Sein anrennen der Gegnerischen Verteidiger und schließen der gegnerischen Räume kann eine Waffe sein. Er steht zwar ganz vorne drinn, ist aber kein richtiger Stürmer. Er vernichtet das Spiel des Gegners schon im Aufbau. Ein Zerstörer an vorderster Front, wenn man so will.
Guédé will auch immer! Hängt sich immer rein. Gibt immer alles, auch wenn es nicht viel ist und manchmal sogar noch weniger.
Ich bin froh dass wir so einen Spieler im Kader haben. Ich kann es aber verstehen wenn einige nicht damit einverstanden sind, wenn er von Beginn an spielt, oder eingewechselt wird. Dafür kann aber Karim Guédé nichts, sondern das Trainerteam. Guédé macht nur dass was er soll und was in seinen Möglichkeiten ist.
Nicht selten wirkt es so, dass Freiburg mit einem Spieler weniger auf dem Platz ist, da man Guédé oft nicht sieht, vor allem nicht offensiv.
Man kann schon sagen dass Karim Guédé Glück hatte und gerade seinen Traum lebt. Nicht nur seinen Traum, sondern auch den Traum von vielen anderen. Auch von mir.
Ganz okay kicken können, aber dann auch Bundesliga. Geiler Typ. Gerade deshalb ist er mein aktueller Lieblingsspieler in der Mannschaft.
Und wenn er sich jetzt nicht für die Slowakei entschieden hätte, wer weiß was dann im Sommer 2014 passiert wäre?
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